Denkender Herzschrittmacher Vorhofflimmern effektiv therapieren

Bei einer Inzidenz von 700.000 neuen Fällen jährlich sind rund 5 Mio. Menschen weltweit von der Diagnose Vorhofflimmern (VHF) betroffen. Beim VHF kontrahiert der Vorhof mit bis zu 350–800 Schlägen/min. und darüber, erklärte Univ.-Prof. Dr. K. Tscheliessnigg. Ein Schutzmechanismus verhindert zwar, dass alle diese Reize auf die Kammer überspringen, das Problem dabei ist jedoch, dass das Risiko für Schlaganfälle auf das Fünfache ansteigt, und zwar unabhängig davon, ob die Rhythmusstörung andauernd besteht oder nur zwischenzeitlich auftritt. Diagnostik der Anflutungsmuster Das herkömmliche EKG ist zur Diagnostik nur wenig geeignet. Die nächst bessere Methode ist das Anfalls-EKG, das aber selten zur Hand ist, wenn die Symptome auftreten. Selbst das Langzeit-EKG kann nur in 60–80% der Fälle tatsächlich Auskunft geben. Neben elektrophysiologischen Untersuchungen sind es daher die modernen Schrittmacher, die über die kritischen Herzepisoden wachen. Sie sind in der Lage, kontinuierlich die Herzschlagfolge wahrzunehmen und Rhythmusstörungen zu speichern. Da die Anflutungsmuster individuell verschieden sind, kommt deren diagnostischer Auswertung eine besondere Bedeutung zu. Bei 50–70% der PatientInnen, die mit einem neuen Schrittmachersystem versorgt sind, konnten episodische Störungen des Sinusrhythmus dokumentiert werden, die zu einem großen Teil nicht wahrgenommen wurden. Mit der Analyse dieser Daten lassen sich die Auslösemechanismen des VHF exakt feststellen, die als Grundlage für die Therapie der präventiven Stimulation dienen. Rückgang der Flimmerzeit um 30% Bislang waren Medikamente wie Amiodaron oder Sotalol die Therapie der Wahl. Doch längerfristig reagieren bis zu 70% der Behandelten nicht mehr auf diese Medikamente. Für jüngere, aktivere PatientInnen, deren Leiden noch nicht chronisch ist, sondern paroxysmal rezidivierend auftritt, stellt nach OA Dr. F. Hintringer der programmierbare Herzschrittmacher eine hervorragende neue Therapieoption dar. Dies zumindest belegen die Resultate der internationalen Großstudie „AF Therapy Study“, die in Europa – darunter auch Österreich – und Nordamerika an 372 PatientInnen durchgeführt worden war. Durch die präventive Stimulation wurde die Flimmerzeit um 30% gemindert, während die Zeit mit einem normalen Sinusrhythmus um 68% anstieg. Bei 46% konnte während einer Beobachtungsperiode von 2 Monaten kein Rezidiv beobachtet werden. Auch eine laufende österreichische Studie (BASS Registry Study), zeigt ähnliche Zwischenresultate. Laut Univ.-Prof. Dr. F. Rauscha ist die Grundlage des Erfolges die diagnostische Komponente, die vielfältige Programmierbarkeit und die präventive Stimulation, die zusätzlich dazu führt, dass bislang nicht mehr effektive Medikamente ihre Wirksamkeit wiedererlangen.

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Letztes Update:10 Oktober, 2002 - 10:04